Teamentwicklung Kita

Teamentwicklung in der Kita

„Meine Kita – Mein starkes Team“ – Teamentwicklung in Kitas

Das Jahr 2020 war für alle Beteiligten im Arbeitsfeld Kita mehr als nur eine Herausforderung. Viele Leitungskräfte waren vor der Sommerpause völlig ausgepumpt. Seit April gab es fast wöchentlich veränderte Vorgaben gab, die es schnell umzusetzen galt. Das war anstrengend und in diesem Umfang so vollkommen anders als die sonstige Arbeit auf der Leitungsebene.

Meine Rückfragen bei den Leitungskräften, was Sie in dieser Zeit getragen hat, war unisono die Antwort: „Mein Team“. Welch Geschenk für jede Leitungskraft, die so etwas erleben durfte.

Doch was steckt dahinter?

Bevor wir uns dies näher anschauen, tragen Sie sich hier in meinen Newsletter ein, um künftig keinen Artikel mehr zu verpassen.

Warum ein Kita-Team bilden?

Sie kennen es: Das rein berufliche Zusammenkommen von Menschen, die in einer Kita arbeiten, bildet noch lange kein tragfähiges Team.

Der gemeinsame Arbeitsauftrag für Kinder und deren Familien zusammenzuarbeiten ist nur ein Baustein für eine gute Zusammenarbeit im Team einer Kindertageseinrichtung. Die pädagogischen Fachkräfte in einer Kita arbeiten in einem komplexen, vielfältigen und innovativen Arbeitsfeld. Die täglichen Aufgaben sind wirkliche Herausforderungen. Das fordert jeden in seiner Persönlichkeit und in seinem fachlichen Handeln. Dazu braucht es Bereitschaft.

Pädagogisch betrachtet, definieren sich die Teams oft über die „gemeinsame Haltung zum Kind“. Was bedeutet das? Die Unklarheit darüber führt aus meiner Sicht in eine Sackgasse und fördert eher das Beharren auf pädagogischen Aussagen als dass eine tragfähige Teambildung stattfinden kann.

Oft leben Kita-Teams im Zusammensein mit den Kindern eine respektvolle Beziehung. Dieser Anspruch – der unumgänglich ist – darf sich selbstverständlich in das Zusammensein mit den Teammitgliedern übertragen.

Der erste Schritt zu einem tragfähigen Team führt über einen respektvollen, arbeitsplatz-relevanten Umgang miteinander.

Wie sieht die Teamentwicklung für tragfähige und belastbare Teams in der Kita aus?

Der auf den Respekt folgende Schritt in der Teamentwicklung innerhalb der Kita ist ein komplexer Prozess. Er beinhaltet die Auseinandersetzung jeder einzelnen Fachkraft mit den eigenen Werten, Prägungen, biografischen Erfahrungen. Diese gewinnt jede für sich und gleichzeitig findet sich so das gesamte Team.

Teamentwicklung ermöglicht, die eigenen Glaubenssätze (z. B. „Ich muss immer alles unter Kontrolle haben“) zu erkennen und auf ihre Aktualität hin zu überprüfen.

Es entsteht die Möglichkeit, sich den Anforderungen aus einem nun bewussten Blickwinkel zu stellen. Das entlastet und gibt Handlungsspielraum. Je deutlicher die Opferrolle im täglichen Arbeiten hinter sich gelassen wird, umso souveräner kann den täglichen Anforderungen begegnet werden. Dann macht das Arbeiten auch in Belastungszeiten wieder Spaß und gibt Raum für viele Erfahrungen mit sich, dem Kollegium, Kindern und Eltern.

Dies bedeutet für jeden Beteiligten eine große Chance für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Und auch hier zeigt sich: Je klarer im Team miteinander umgegangen wird, desto größer ist das Potenzial, dass diese Klarheit sich auf das Zusammensein mit den Kindern überträgt.

Was sind die größten Bremsklötze für eine gute Zusammenarbeit im Team?

Oft werden in einem Team Verhaltensweisen wie z.B. Animositäten, Schweigen, Sprachlosigkeit, Kleingruppenbildung, verdeckte und offene Kleinkriege, Eifersüchteleien und Ausspielen der KollegInnen gelebt. Das Verhalten der Erwachsenen untereinander steht im kompletten Kontrast zu dem gesetzlichen Auftrag, der in einer Kindertageseinrichtung gelebt werden soll.

Diese Teamdynamiken rauben den Teams ihre Kraft. Viele der Verhaltensweisen lassen sich mit einem psychodynamischen Hintergrundwissen erklären. Einige sind hier exemplarisch aufgeführt:

●Schwierigkeiten mit Autoritäten und Übertragung auf die Leitungsebene.
●Ein großes Bedürfnis „Dazu-zu-gehören“ und dies unbedingt im Team ausleben müssen.
●Das Bedürfnis, in Harmonie mit allen Beteiligten zu sein und dabei die eigenen Bedürfnisse übergehen.
●Beharren auf dem eigenen Standpunkt der „richtigen“ Pädagogik.

Das alles ist menschlich. Doch zum Bremsklotz wird es, wenn keine Bereitschaft besteht, diese Dynamiken erkennen und verstehen zu wollen. Es ist wichtig zu erkennen, dass die eigene persönliche Geschichte als Ausgangsbasis des Handelns gesehen, reflektiert und ernst genommen wird.

Dies setzt auch voraus, dass die eigenen persönlichen Kränkungen und Verletzungen ernst genommen werden, damit sie nicht immer wieder neu inszeniert werden müssen. Stattdessen bietet das die Chance, sich als Fachkräfte immer mehr zur Eigenverantwortung zu entwickeln. Hier trägt die Teamentwicklung dazu bei, sich dem anderen Kitamitglied lebendig zuzuwenden.

Mit der richtigen Teamentwicklung auf dem Weg zum kompetenten Kita-Team

Zuwenden verstehe ich so, dass die Menschen in den Teams sich mitteilen können, wer sie geworden sind und aus welchen Motiven sie demnach handeln.

Wer sich erzählen kann, welche positiven und negativen Erfahrungen in Gruppen im bisherigen Leben gemacht wurden und wie sich diese Erfahrungen auf die Arbeit mit den Kindern und dem Team auswirken, ist auf einem guten Weg.

Und wer erkennt, dass alle Motive ihren Grund hatten, aber heute nicht mehr bindend sein müssen, geht noch einen Entwicklungsschritt weiter.

Auf diese Weise können alte innere Strukturen erkannt werden.

Wenn dieser Bewusstseinsprozess innerhalb eines Teams geschieht, dann kann der Anspruch an die Arbeit mit den Kindern aus meiner Sicht erst wirklich umgesetzt werden. Der Anspruch nach authentischem Arbeiten ist in der Kita-Welt bekannt und erstrebenswert. Doch das ist oft mit Anstrengung verbunden, die möglicherweise nicht mit Dienstschluss beendet ist. Denn pädagogisches Arbeiten bedeutet vor allem, sich als pädagogische Fachkraft mit sich selbst auseinander zu setzen.

Wenn Konsens über diesen Anspruch herrscht, dann beginnt ein Weg, der Nähe und Vertrautheit im beruflichen Kontext entstehen lässt. Es kann ein Wohlfühlen im Team entstehen, woraus ein tragfähiges Wir-Gefühl aufbaut. Für viele Teams ein erstrebenswertes Ziel.

Welchen Gewinn haben Kinder und Eltern, wenn die Entwicklung im Kita-Team ausreift?

Die gewonnene Vertrautheit wirkt sich unmittelbar auf das Zusammensein mit den Kindern aus. Denn wenn sich die Erwachsenen wohlfühlen, können sich auch die Kinder wohlfühlen. So werden Kinder nicht missbraucht, um die unterschwelligen Konflikte der Erwachsenen zu kaschieren.

Oft läuft die Arbeit mit den Kindern „gut“. Das kann aus meiner Sicht nur die halbe Wahrheit sein. Wie viel besser könnte sie sein, wenn die Erwachsenen ein Klima von

● Verständnis im Sinne von Nachvollziehbarkeit und
● Mut zu Fehlern

schaffen könnten?

Wenn die Fachkräfte sich über den „Bockmist der Woche“ austauschen können, dann lebt Humor, Leichtigkeit und Wachheit im Team.

Daran können sich wiederum die Kinder orientieren und das Lernen geschieht wie selbstverständlich am Vorbild.

Die Eltern können sich auch an diesem Team orientieren. Wo Fehler sein dürfen, kann Erziehung viel leichter sein. Das wiederum entspannt alle.

Welche Rolle hat die Leitungskraft in diesem Prozess?

Die Leitungskraft spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle.

Sie setzt den Maßstab für ihre und die Teamentwicklung in der gesamten Kita. Sie steuert mit ihrer eigenen Positionierung wie schnell, intensiv und klar der Entwicklungsprozess im Team verläuft.

 

● Schafft sie es, dass alle Teammitglieder sich begeistern lassen oder setzt sie ihre Impulse nur mit den Inspirierten um?
● Wie verhält sie sich zu den „Bremsern“ im Team? Wie findet Sie Zugänge zu ihnen?
● Braucht es ein verstehendes Gespräch, um die zugrundeliegenden Ängste klar benennen zu können?
● Kann die Leitung darauf eine halt gebende und herausfordernde Antwort geben?

 

 

Sofern ihr dies gelingt, baut Sie sich ein Team auf, das belastbar und engagiert arbeiten kann.

Das stärkt den Einzelnen und die Gesamtheit und ist das Beste, was eine Kita mit ihren Beteiligten zu jeder Zeit haben kann.

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Foto: unsplash.com, vlad-hilitanu-1FI2QAYPa-Y-unsplash

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